Die Gründung der Bünder Schützengesellschaft

„Es war eine köstliche Zeit ..." ließ Lortzing seinen „Waffenschmied" in der Uraufführung seiner gleichnamigen Oper 1846 in Wien singen. Gar so köstlich war die damalige Zeit in Westfalen nicht - aber aufregend war sie schon.

Die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth war soeben eröffnet worden (1835). Das erste Dampfschiff mit Namen „Sirius" überquerte den Atlantik von Schottland nach New York in 15 ½ Tagen. In Berlin regierte König Friedrich Wilhelm III. Von Preußen und versuchte, in seine von den Franzosen „verunstaltete" Provinz Westfalen wieder preußische Ordnung zu bringen. Daguerre erfand die Photographie (wir Schützen können ihm gar nicht genug danken) und Dreyse das Hinterlader-Zündnadelgewehr (sonst müßten wir heute noch mit dem Vorderlader schießen). Bünde mit dem Gute „Hölzern Klinke", den Bauernschaften Hunnebrock-Hüffen-Werfen, Ahle, Holsen, Muccum mit Altenhüffen, Habighorst, Ennigloh, Dünne, Spradow und Südlengern zählte insgesamt 6125 Seelen und litt noch unter Besatzungslasten der letzten beiden Jahrzehnte.

Napoleon hatte den Franzosen die „Lust am Kriegsspiel" beigebracht und hatte sich auf seinem Weg nach Osten auch Westfalen einverleibt. Das Land stöhnte unter Steuern und Requisitionen und die Freude war groß, als im Oktober 1813 die ersten Kosaken in Bünde einzogen und den Franzosen den Weg zurück nach Frankreich zeigten.

Die Bünder kamen jedoch vom Regen in die Traufe, denn die Kosaken wollten auch essen und trinken ohne zu zahlen und waren bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht zimperlich. So ist in der von H.W. Rumbke im Jahre 1904 erstellten „Geschichte von Bünde" von der oftmals gehörten Bürgermeinung zu lesen, die da hieß: Lieber den Franzosen zum Feind als den Russen zum Freund.

Immerhin, die französische Herrschaft war vorbei, und am 9. November 1813 nahm der Generalleutnant von Bülow durch Proklamation unser Minden-Ravensberg wieder für seinen Landesherren, den König von Preußen, in Besitz. Es ging langsam bergauf. Hier und da noch Unruhen als Auswirkung der französischen Revolution, ein Grund dafür, daß sich landauf, landab sogenannte „Schützenvereine" gründeten, die den freiwilligen Bürgerschutz übernahmen. So in Bielefeld 1831, in Herford und Gütersloh 1832 und Halle 1837. Wenngleich in Bünde kaum von Unruhen berichtet wurde, so war doch allein schon der Gedanke, in der Gemeinschaft stärker zu sein, dem Bürger einleuchtend, zumal man nirgends Gelegenheit hatte, in größerem Kreise miteinander „in Berührung zu kommen".

Dieser Bürgerwunsch wurde vom damaligen Bürgermeister Rüter aufgenommen, am 30. Juni 1838 schriftlich fixiert und als Aufruf an alle Bünder Bürger vom Stadtdiener öffentlich verkündet. Die Bürgerversammlung fand, wie eingeladen, am 1. Juli 1838 statt, und schon acht Tage später war die Gründungsversammlung im Haarhausen’schen Gasthaus (später altes Rathaus), die einen Vorstand wählte, dessen 1. Vorsitzender der Justizkommissair Beckhaus wurde. Noch am gleichen Tage, dem 8. Juli 1838, bat Beckhaus im Namen des Vorstandes den Herrn Bürgermeister um Genehmigung der Statuten und des geplanten Schützenfestes. Der Bürgermeister gab die Statuten mit einem Brief an die „Landräthliche Behörde" zu Herford weiter. Der Landrat hat die Angelegenheit tatsächlich sehr beschleunigt bearbeitet und gab bereits am 8. August 1838 die vom Regierungs-Präsidenten erteilte Genehmigung bekannt. Zum Dank für seine Initiative um die Gründung der Bünder Schützengesellschaft wurde Bürgermeister Rüter mit Schreiben vom 27. Juli 1838 zum 1. Ehrenmitglied der Bünder Schützengesellschaft ernannt. 

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